Archivreise LKA Dresden — Die Stammlinie ist gesichert
Im März 2026 konnte ich die Kirchenbücher des EVLKS-Bestands Marienberg im Landeskirchlichen Archiv Dresden (LKA) einsehen. Die Ergebnisse sind weitreichend — und in einem entscheidenden Punkt anders als erwartet.
Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse zusammen. Die Folgen für die Errata-Seite und andere Beiträge werden gesondert nachgeführt.
Die gesicherte Stammlinie
Die direkte väterliche Linie ist nun über sechs Generationen lückenlos durch kirchenamtliche Tauf- und Heiratsregister belegt:
| Generation | Person | Beleg |
|---|---|---|
| 1 | Jobst PÜLTZ | Heiratsregister Reg. 36 (Dörnthal), Einträge 1568–1594 |
| 2 | Abraham PILZ (* Aug. 1591) | Taufbuch KB 23 (Dörnthal) |
| 3 | Michael PILTZ (* 13.7.1617) | Taufbuch KB 437 (Olbernhau) |
| 4 | Samuel PILZ (* 2.3.1654) | Taufbuch KB 438 (Olbernhau), DS 257 |
| 5 | Samuel PILZ (* 13.1.1683) | Taufbuch KB 429 (Oberneuschönberg) |
| 6 | Christian Gottlob PILZ (ca. 24.3.1712) | Taufbuch KB 430 (Oberneuschönberg) |
Alle Verbindungen beruhen auf Primärquellen. Damit ist die Kette, die bisher nur bis Christian Gottlob Pilz (1712) urkundlich gesichert war, um vier Generationen nach hinten verlängert.
Neuer Spitzenahn: Michael PILTZ der Ältere
Im Kirchenbuch 23 (Dörnthal) findet sich unter dem 26. Juli 1565 der Sterbeeintrag eines „alten Michael Piltz”. Er ist der älteste urkundlich belegte Vorfahre dieser Familie.
Die Verbindung zwischen Michael dem Älteren und Jobst ist plausibel, aber noch nicht durch eine Primärquelle geschlossen. Dafür spricht: Barbara PILTZ, die 1568 den Urban Lepman heiratete, tat dies unmittelbar nach dem Tod des alten Michael — ebenso wie Jobst in denselben Jahren erstmals im Heiratsregister erscheint. Beide sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Kinder des alten Michael.
Abrahams Mutter: Margarete Teuffel
Jobst war mindestens dreimal verheiratet. Seine ersten drei Ehefrauen starben 1573, 1588 und 1594. Die Heirat mit Margarete Teuffel ist im Register 36 unter dem Jahr 1589 verzeichnet.
Bei Abrahams Taufe 1591 trat „die Michael Teuffelin” als Patin auf — also eine Angehörige der Familie Teuffel. Da Jobst 1589 Margarete Teuffel geheiratet hatte und Abraham 1591 geboren wurde, ist Margarete Teuffel mit hoher Wahrscheinlichkeit Abrahams Mutter.
Evidenzstufe: knapp unter GESICHERT. Es fehlt die ausdrückliche Nennung der Eltern im Taufeintrag (wie sie in diesem frühen Kirchenbuch nicht immer erfolgte).
Die Korrektur, die keine war: Jobst und Joseph
Dies ist der Punkt, an dem die Archivreise die bisherige Forschung auf dieser Bonusseite in einem wesentlichen Punkt korrigiert.
Was diese Seite bisher sagte
Gestützt auf den Gerichtsbuch-Eintrag von 1620 (GB AG Sayda Nr. 020, L772), hatte ich im März 2026 veröffentlicht, dass Joseph Pültz — nicht Jobst — Abrahams Vater sei. Die Argumentation war: Abraham wird im Erbvergleich als Erbe des „Joseph” genannt, also ist Joseph der Vater. Jobst und Joseph seien zwei verschiedene Personen. Die gedruckte Chronik müsse entsprechend korrigiert werden.
→ Beiträge: Generationentabelle Familie Pültz/Pilz, Dörnthal, Korrekturen & Ergänzungen
Was die Kirchenbücher zeigen
Im Heiratsregister Reg. 36 (Dörnthal) erscheint zwischen 1568 und 1594 unter dem Namen Piltz ausschließlich Jobst. Ein „Josef” oder „Joseph” kommt in diesem Zeitraum nicht vor — kein einziges Mal.
Joseph Pültz scheidet als direkter Vorfahre aus. Er gehört zu einem Seitenzweig der Familie.
Der Gerichtsbucheintrag von 1620, der Abraham als „Sohn des Joseph” nennt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fehllesung des Namens Jobst durch den Gerichtsschreiber. Urkundlich bewiesen ist diese Fehllesung nicht — aber das geschlossene Zeugnis des Heiratsregisters, das über 26 Jahre hinweg nur Jobst kennt, macht sie zur bei weitem wahrscheinlichsten Erklärung.
Was das bedeutet
Die gedruckte Chronik hatte im Kern recht. Band 1, Seiten 74–75, nennt Jobst als Abrahams Vater — vorsichtig formuliert und mit dem ehrlichen Hinweis, dass die Quellenlage dünn sei. Diese Vorsicht war berechtigt, die Aussage selbst war korrekt.
Die auf dieser Bonusseite veröffentlichte „Korrektur” war ein Irrtum. Die Gerichtsbuch-Analyse war methodisch sorgfältig, aber sie wurde durch eine bessere Quelle — das Kirchenbuch — widerlegt. So funktioniert genealogische Forschung: Jede Aussage gilt nur bis zur nächsten Quelle.
Die betroffenen Beiträge und die Errata-Seite werden überarbeitet.
Samuel 1654: ein Fund trotz fehlendem Register
Ein methodischer Hinweis für künftige Archivbesuche: Samuel Pilz (* 2.3.1654) war im Namensregister 458 zum Taufbuch Olbernhau (KB 438) nicht verzeichnet. Der Taufeintrag wurde durch chronologisches Blättern im Kirchenbuch selbst gefunden — auf Digitalisat-Seite 257.
Das zeigt: Namensregister sind hilfreich, aber nicht vollständig. Wer sich nur auf sie verlässt, übersieht Einträge.
Was offen bleibt
Nicht alle Ziele der Archivreise konnten erreicht werden:
Sterbeeintrag Jobst Pültz († 3.4.1619) — Die betreffende Digitalisat-Seite 192 in KB 23 ist vorhanden, aber technisch unlesbar. Das Personal des LKA empfahl einen erneuten Druckversuch mit veränderten Kontrasteinstellungen — ein Versuch nach dem Prinzip Try and Error mit wenig Erfolgsaussicht. Das Originalbuch vor Ort zu lesen wäre eine Alternative; am geeignetsten erscheint aber eine nachträgliche Bildbearbeitung des Digitalisats selbst.
Volltext der Traueinträge Jobst (1569) und Joseph (1574) — Im Kirchenbuch KB 23 nicht auffindbar. Das Register ist ungeordnet; eine systematische Durchsicht des gesamten Bandes wurde wiederholt versucht, scheiterte aber letztlich auch an teilweise komplett unlesbaren Seiten (siehe oben).
Sterbeeintrag Michael PILTZ († 18.5.1673) — In den Kirchenbüchern Olbernhau (KB 439, Register 459) noch nicht lokalisiert.
Freiberger Linie: Christoph PÜLTZ d.J. († 27.7.1621) — Das Sterbebuch von St. Jacobi Freiberg vor 1673 liegt nur im Stadtarchiv Freiberg vor, nicht im LKA.
Abzugsbriefe Freiberg (Aa/Ia/XVII/2) — Der urkundliche Beweis für die Übersiedlung Christoph Pültz d.Ä. von Dörnthal nach Freiberg ist im Stadtarchiv Freiberg zu suchen.
Fazit
Die Archivreise hat das Wichtigste gebracht: Die direkte Stammlinie steht auf festem Grund. Was in der gedruckten Chronik vorsichtig als Hypothese formuliert war, ist nun durch Primärquellen belegt. Und was auf dieser Bonusseite als Korrektur der Chronik veröffentlicht wurde, hat sich selbst als korrekturbedürftig erwiesen — eine Erfahrung, die zur Ehrlichkeit genealogischer Arbeit dazugehört.
Stand: 27. März 2026. Quellen: Kirchenbücher EVLKS-Bestand Marienberg (KB 23, 34, 36, 429, 430, 437, 438, 458), eingesehen im Landeskirchlichen Archiv Dresden, März 2026.+